Die Ka-We-De

Aus architektonischer Sicht ist die Anlage von höchster Qualität - ein einmaliges Gesamtkunstwerk und gehört zum kulturellen Erbe Berns.

Die Ka-We-De ist ein typisch bernischer Beitrag zum "Neuen Bauen" und gleichzeitig auch Teil eines städtebaulichen Ensembles mit verschiedenen Zeugen aus den 30-er Jahren (Landesbibliothek, Naturhistorisches Museum, Silvahof, Tierpark).

Dank ihrer architektonischen Bedeutung ist die Ka-We-De im Inventar der Denkmalpflege als schützenswertes Gebäude verzeichnet. Es ist einzig eine öffentliche Nutzung dieses Gebäudes möglich. Inhalt und Form sind gleichwertig und als untrennbar zu betrachten.

Licht, Luft und Bewegung im Sport...

Breitensport, Volksgesundheit, Sport-Tourismus waren Themen, die in den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts enorm an Bedeutung gewannen. Mehr gestaltbare Freizeit, hygienische und medizinische Fortschritte, weniger gesellschaftliche Zwänge kumulierten im Motto "Licht, Luft und Bewegung" als Ausdruck eines neuen Körper- und Lebensgefühls.

Licht, Luft und Sonne in der Architektur...

Das Motto der neuen Sportbewegung fand sein Pendant in der Formel "Licht Luft und Sonne" als Aufbruch zu einer neuen von mehr funktionalen Kriterien geprägten Architektur- und Städtebaukultur. In den 1930-er Jahren schossen moderne Sport- und Gesundheitsbauten wie Pilze aus dem Boden. In der ganzen Schweiz entstanden in kurzer Folge verschiedenste Bade-und Sportanlagen, Spital- und Sanatoriumsbauten. Verschiedene Schweizer Städte bauten öffentliche Frei- und Hallenbäder; so unter anderen Zürich, Genf, Lausanne, Vevey, Bellinzona, Biel, Thun, Langenthal und eben auch im Kanton Bern.

Ein Pionierprojekt

In diesen Rahmen ist auch der Bau der Ka-We-De zu stellen. Einige Besonderheiten heben allerdings die Ka-We-De hervor. Die Anlage war nicht wie andernorts das Projekt der Gemeinde sondern eines privaten Konsortiums unter Leitung des Architekten und Sportlers Hanns Beyeler (v. Sinner und Beyeler). Die Anlage wurde auch unter dem Aspekt der Rentabilität entwickelt. So musste im Gegensatz zu den eintrittsbefreiten kommunalen Freibädern der Eintrittspreis durch das attraktive Angebot einer erstmalig in der Schweiz angebotenen Wellenanlage gerechtfertigt werden.

Da ein Saisonbetrieb nicht rentabel zu betreiben war, optierte man für die Kombination von Eisbahn im Winter mit Freibad im Sommer. Erst- und vermutlich noch heute einmalig erfand man die Eisfläche, die im Sommer zum künstlichen Badesee wird. Noch heute ist gerade diese Pioniertat ein unverwechselbares Charakteristikum der Ka-We-De, das eine ungeahnte Grosszügigkeit und Weite vor die dunkle Waldkulisse zaubert.

Zurecht wurde die Ka-We-De in das Büchlein „Die schönsten Bäder der Schweiz“ des Schweizerischen Heimatschutzes aufgenommen.

In guter Gesellschaft

Bauten aus der Zeit des Neuen Bauens sind in Bern nicht häufig, es finden sich darunter aber einige bekannte und hervorragende Beispiele wie die benachbarte Wohnanlage Silvahof oder das städtische Hallenbad, beide ebenfalls von v. Sinner und Beyeler, die Salvisberg-Bauten Loryspital, Säuglingsspital und SUVA-Haus, das Meerhaus von Hans Weiss oder das Naturhistorische Museum von Krebs und Müller um einige der bekannteren Beispiele zu nennen. Der Ka-We-De gebührt ein prominenter Platz in dieser Aufzählung und dies nicht nur aufgrund des starken und zeittypischen architektonischen Auftritts, sondern auch als Zeugin des technischen Innovationsgeists jener Zeit!

 

Quellen:
- Jürg Hünerwadel, Masterarbeit 2012
- Martin Zulauf, Dipl. Arch ETH, Bericht Analyse und Sanierungskonzept 1981